12. Mai 2007: Protestsitzen der Bahnhof gehört allen! Wir lassen uns nicht vertreiben!

Das von der Jungen Alternative JA! initiierte Protestsitzen gegen die Vertreibungspolitik des Gemeinderats hat bei strahlendem Sonnenschein vor der Heiliggeistkirche stattgefunden. Rund 80 Leute demonstrierten sitzend, liegend, essend, stehend und pfeifend gegen die geplante Vertreibung der Gassenküche, des Alkistüblis und der gratis-Veloparkplätze.

Das Protestsitzen zeigte auf symbolische Art und Weise, wie Zusammenleben auf öffentlichem Raum auch funktionieren kann – Gassenleute, PolitikerInnen, Jugendliche und SeniorInnen waren gemeinsam da und solidarisierten sich untereinander.

Wir kommen wieder wenn es sein muss, wir lassen uns nicht vertreiben!

Alkistübli bleibt! Gassenküche bleibt! Genügend Gratis-Veloparkplätze bleiben auf und in unmittelbarer Nähe des Bahnhofplatzes! Genügend Sitzplätze! Politische Rechte und Grundrechte für alle auch auf dem neuen Bahnhofplatz!



Trendy und steril soll der zukünftige Bahnhof werden. „Stressfreies Flanieren für BenutzerInnen“ soll laut Tschäppät im Vordergrund stehen. „BenutzerInnen“ sind aber offensichtlich nur jene, die ins gewünschte Schema passen. Das heisst, kein Platz mehr für:

„Alkistübli“: Es soll sich nach dem Umbau nicht mehr an zentraler Lage befinden!
Gassenküchen: Sie sollen ins Bollwerk abgeschoben werden!
Velos: Dürfen auf dem neuen Bahnhofplatz nicht mehr gratis abgestellt werden!

Doch damit nicht genug – der Gemeinderat plant für den neuen Bahnhofplatz ein Nutzungskonzept mit 50 Regeln. Das ist die Fortsetzung der bisherigen Vertreibungspolitik (Wegweisungsartikel, Wasserfallens Bahnhofordnung von 2004, „Benützungsordnung“ der Grossen Schanze). So ist auch hier zu erwarten, dass Picknicken, „ineffizientes“ Herumsitzen, laut reden und Unterschriften sammeln bald auch verboten werden.

Damit verfolgt Rot-Grün eine Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Politik, mit welcher all jene Menschen, die nicht der städtischen Norm entsprechen, ausgegrenzt, stigmatisiert und verhöhnt werden und wo auf dem Buckel dieser Menschen blitzsaubere Glashäuser – oder Bahnhöfe – für die Angepassten und Besitzenden gebaut werden.

Wir fordern den Gemeinderat dazu auf, den öffentlichen Raum als Raum, der wirklich allen gehört, zu respektieren und die Grundrechte einzuhalten!

Am 13. Mai findet unter dem Motto „Der alte Bahnhof muss verreisen“ das Abschiedsfest für den Bahnhofplatz statt. Was der Gemeinderat mit diesem Slogan meint, ist klar: Wer nicht ins neue trendy Bild passt, soll auch gleich verreisen.